Eine Führung durch unsere St. Jakobi-Kirche


Die St. Jakobikirche ist eine dreischiffige Basilikakirche mit einem rechtwinkligen Chorabschluss, das heißt, sie besteht aus einem hohen Hauptschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen. Von ihrem ersten Patron, dem Kloster Gottesgnaden bei Calbe, war sie sicher von Anfang an als Gemeindekirche konzipiert. Darauf weisen auch alte Urkunden hin, die sie als "templum parochiale", als Pfarrkirche, bezeichnen.

Der Baubeginn dürfte Anfang des 13. Jahrhunderts liegen. Das ist die Zeit, in der die Stadt Schönebeck mit Mauern umgeben war, die vom Barbyer Tor (früher "Kuhtor") zum Salztor und von dort zum Elbtor gingen und somit nur ein relativ kleines Gebiet umschlossen. Um so mehr fällt auf, wie großzügig der Kirchenbau angelegt wurde.

Türme aus Plötzkyer Bruchstein

Im Westen ist dem Kirchenschiff der imposante Turmblock vorgestellt, der genau so gut zu einer Burg passen könnte. Vielleicht ist er auch ein Zufluchtsort gewesen. Er ist aus Plötzkyer Bruchsteinen gemauert und dürfte in seinem quadratischen Unterbau den ältesten Teil der Kirche bilden. Die gekuppelten Fenster der Glockenstuben und die auf halber Höhe liegenden Ost- und Westfenster gehören zum Übergangsstil von der Romantik zur Gotik. Die Westseite des Turms war türlos. Das Spitzbogenportal wurde erst 1840 durchgebrochen. Die heutige Gestalt der Türme stammt von der Renovierung 1735, bei der auf den alten Unterbau des Turmblocks die barocken Doppelhauben mit den großen Laternen gesetzt wurden.

Der alte Stich von Merian 1653 zeigt noch gotische Turmhelme, dazu einen kleinen Dachreiter auf dem Hauptschiff, in dem vielleicht eine kleine Glocke hing. Später hatte die Kirche noch zwei Glocken aus Bronze, die im Krieg verloren gingen und 1921 durch die noch heute vorhandenen Stahlglocken ersetzt wurden.

Drei Schiffe unter einem Dach

Bei der Kirchenrenovierung von 1884/85 erhielt das Äußere der Kirche seine heutige Gestalt. Das dreiteilige Dach unterstreicht die Basalikaform der Kirche und dürfte dem ursprünglichen Aussehen von St. Jakobi nahe kommen. 1701 hat man alle drei Schiffe mit einem gemeinsamen Schleppdach versehen, dessen Spuren noch an der Ostseite der Türme zu sehen sind.

Leider konnte man sich 1884 nicht entschließen, die später zwischen die Türme gefügte Türmerstube mit ihren stillosen Wohnzimmerfenstern zu entfernen. Ihr Vorhandensein ermöglicht allerdings heute einen Blick über die Stadt aus der Vogelperspektive.

Deichbruch im Jahre 1876

Vorteilhaft dagegen ist, dass man jetzt die Kirche durch den Turmblock betritt. Früher war der Eingang in der Mitte des Seitenschiffes. So kann der Besucher jetzt beim Betreten des Gotteshauses die Schönheit der Architektur erkennen. 1884 sind im Inneren einige Veränderungen vorgenommen worden. Der Kirchenraum lag ursprünglich zwei Meter tiefer. Man ging nicht Stufen hinauf, sondern hinunter. Der 600 Jahre lang benutzte Friedhof um die Kirche war nach oben gewachsen und die Ursache für das scheinbare Einsinken der Kirche. Das erwies sich als verhängnisvoll bei dem Deichbruch 1876. Damals strömte das Wasser der Elbe durch die Fenster in das Kirchenschiff und richtete schlimme Verwüstungen an. Selbst die Säulen, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen trennten, wurden so sehr beschädigt, dass man zunächst erwog, das Langhaus abzureißen. Es sollte neu gebaut werden. Jahrelang blieb die Kirche eine Ruine. Nach acht Jahren begann man unter Erhaltung der Außenmauern mit dem Umbau des Kirchenschiffes und gab ihm die heutige Form.

Das neue Gesicht der Kirche

Es vollzog sich eine umfangreiche Umgestaltung, bei der man bemüht war, die ursprüngliche Basilikaform der Kirche wiederherzustellen. Das den gesamten Kirchenraum überspannende Tonnengewölbe wurde entfernt. Mittelschiff und Seitenschiffe erhielten separate Flachdecken. Dadurch kamen die sehr schönen Übergadefenster wieder zur Geltung. 1987 sind sie in der alten farbigen Musterung wiederhergestellt worden.

Durch den Abriss der Seitenemporen und durch die Verringerung der Zahl der Säulen erhielt die Kirche ein helleres und freundlicheres Gesicht, das durch die Farbgebung bei der letzten Renovierung (1986/87) noch unterstrichen wird.

Umstritten blieb 1884 das Anheben des Fußbodens im Langraum um fast zwei Meter. Das wurde besonders von den Denkmalspflegern bedauert. Bei einer Länge der Kirche von 40 Metern und einer Breite des Mittelschiffs von 9,50 Metern entspricht die jetzige Höhe von 11 Metern nicht mehr mittelalterlichen Maßverhältnissen.

Wertvolle Kleinplastiken

An Kunstwerken stammen aus der alten Kirche noch zwei Kleinplastiken (Maria mit Kind und Katharina). Sie sind im 15. Jahrhundert entstanden und haben jetzt ihren Platz an der linken Seite des Altarraumes gefunden.

Der große Taufstein ist stark verwittert. Er erinnert an niederländische Barockskulpturen. An seiner der Kanzel zugewandten Seite ist eine bemerkenswerte Darstellung einer Tauffeier zu sehen. Über dem Taufstein hängt ein Kruzifixus, aus dessen Seitenwunde Wasser in das Taufbecken fließt (Joh. 19, 34).

 
     

Altar und Kanzel sind 50 Jahre alt. Das Triumphkreuz und die Orgelempore stammen aus der Zeit der Renovierung von 1884. Auf dem Altarbild ist die Weihnachtsgeschichte dargestellt, rechts und links davon die vier Evangelisten. An diese erinnern auch auf dem Triumphkreuz deren Symbole: Engel, Löwe, Stier und Adler. Sie umgeben den Corpus, dessen Alter unbekannt ist. Er ist aus Keramik und wurde sowohl 1936 als auch 1987 restauriert. Ein besonderer Schmuck der Rückwand des Altarraumes zu beiden Seiten der Mensa sind die kunstvoll geschriebenen ersten Verse der Bergpredigt Jesu.

Die Kanzel wird von einem der Lieblingsbibelverse Dr. Martin Luthers umgeben: "Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht." Darüber befinden sich in einem Kreuz vier Symbole, die auf die Bedeutung der Bibel hinweisen: Schwert, Hammer, Krone, Schlüssel.

Große, bunte Fenster

Ein besonderer Schmuck der Kirche sind die großen bunten Fenster in den Seitenschiffen. Sie sind zwischen 1885 und 1895 von dem Quedlinburger Kunstglaser Ferdinand Müller geschaffen worden (heute Firma Schneemelcher). Diese Kunstwerkstätte hat in den letzten Jahren viel für unsere Kirche getan. Die Übergadenfenster sind ergänzt und neu verbleit worden.

Die Themen der großen Fenster von der Altarseite aus gesehen: der Jünger Jakobus; die Geschichte von Jairus Töchterlein; das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und die Geschichte von Maria und Martha.

Im gegenüberliegenden Seitenschiff: das Lutherfenster, das zur Erinnerung an den 400. Geburtstag des Reformators gestiftet wurde; die Auferweckung des Jünglings von Nain; die Kindersegnung; die Geschichte vom sinkenden Petrus und ein Bild von Johannes.

 

 

Grabstein aus dem 16. Jahrhundert

Ein für die Schönebecker Kirchengeschichte wichtiger Grabstein befindet sich links unter der Orgelempore. Er erinnert an den Pfarrer Sartorius, der Ende des 16. Jahrhunderts tätig war. Er war der erste Schönebecker Pfarrer, der evangelische Theologie studiert hatte. Nach den Visitationsberichten ist die Reformation in Schönebeck erst zu jener Zeit in Gang gekommen.

Pfarrer Sartorius blickt von seinem Grabstein mit der Bibel in der Hand auf die Gemeinde und erinnert sie daran, was das wichtigste in der Kirche ist: das Wort Gottes.

Heinz Heß (Pfarrer in St. Jakobi von 1976 - 1987 (2. November 1922 - 13. Februar 2003)

 

 
     

Die Orgel

 

Die Orgel wurde 1882/83 von dem Orgelbauer Eduard Beyer aus Magdeburg erbaut. Schon nach kurzer Zeit traten schwerwiegende Mängel und Störungen auf, die zunächst von Beyer beseitigt werden mussten. Es ist überliefert, dass Beyer eine mechanische Kegellade baute und sie dann selbst “pneumatisierte“. Trotz dieser Bemühungen konnte kein befriedigendes Ergebnis erreicht werden. 1892 besichtigte Orgelbauer Wilhelm Rühlmann aus Zörbig das Instrument. Er erhielt den Auftrag zum Umbau der Orgel. Diesen Auftrag führte er als opus 286 1906/1907 aus. Er übernahm dabei das Orgelgehäuse und einige Pfeifenregister. 1938 wurde das bestehende Klangbild durch Rühlmann wesentlich verändert, sie wurde dem Zeitgeschmack entsprechend „aufgehellt“. In der Folgezeit wurden von verschiedenen Orgelbauern immer wieder Veränderungen in der Disposition vorgenommen. Außerdem wurden im Spieltisch das II. mit dem III. Manual vertauscht.

Bei Untersuchungen durch die Orgelbaufirma Sauer in den 1990-er Jahren wurden sowohl die solide Konstruktion der Orgel, als auch diverse Mängel festgestellt, letztere lagen nicht nur im Wurmbefall, sondern auch im Verschleiß und in der z.T. inkompetenten Ausführung der o.g. Veränderungen. Dazu kam die mangelhafte Intonation. Inzwischen war die Orgel nahezu unspielbar geworden. Im Jahre 1997 erfolgte durch die Firma Sauer eine Spielbarmachung und Bestandsaufnahme. Diese führte zu der Entscheidung, eine technische Generalinstandsetzung unter denkmalpflegerischen Gehsichtspunkten und eine klangliche Überarbeitung des gewachsenen Registerbestandes durchzuführen. Dank der großzügigen Unterstützung durch die Lotto Toto GmbH Sachsen Anhalt, weitere Sponsoren, aber auch durch zahlreiche Spenden aus der Gemeinde war die Instandsetzung finanziell möglich geworden

Die Arbeiten erfolgten ab Herbst 1999. Am Ostermontag 2000 konnte die Orgel feierlich wieder in Dienst genommen werden. Der ausführenden Firma Sauer aus Müllrose kann dafür nur gedankt und beste Ergebnisse bescheinigt werden. Dass die technischen Anforderungen professionell gemeistert wurden, war zu erwarten. Das Klangbild jedoch ist eine besondere Leistung der Intonierkunst. Jede einzelne stimme hat ihre unverwechselbare Farbe und die gesamte Orgel hat symphonische Kraft zurückbekommen. Einer Stilepoche kann der klangliche Gesamteindruck nicht zugeordnet werden, er zeigt aber die Entwicklung des Orgelbaus der letzten 100 Jahre nach.